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28.4.2016 - Silke Albrecht

Große Chance für den Raumfahrtstandort Bremen: Norddeutsche Expertise wird in China geschätzt

Luft- und Raumfahrt

Das Reich der Mitte plant in den kommenden Jahren massiv in die Raumfahrt zu investieren. Davon kann auch der Standort Bremen profitieren. Im Frühjahr 2016 reiste eine Delegation von bremischen Raumfahrt- und Wirtschaftsexperten unter der Leitung von Wirtschaftsenator Martin Günthner nach Peking und Shanghai, um Kooperationsmöglichkeiten mit dortigen Unternehmen auszuloten.

In der Raumfahrtbranche ist China längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Ganz im Gegenteil: Im Orbit kreisen zur Zeit mehr chinesische Satelliten um die Erde, als russische. Bis 2021 sind eine bemannte Mondmission und eine Marslandung geplant, um China endgültig auf das Niveau der Raumfahrtriesen USA und Europa zu heben. Damit wäre die chinesische Raumfahrtbehörde neben der NASA und der ESA die dritte Raumfahrtorganisation, die in Bremen gefertigte Module ins All schickt. Im Rahmen des Orion-Programms, einer Kooperation zwischen NASA und ESA wird derzeit das Antriebsmodul OrionESM in Bremen gebaut. Damit ist die Hansestadt auch für die ehrgeizigen Ziele der Chinesen ein attraktiver potenzieller Kooperationspartner.

Wir verfügen seit einigen Jahren über hervorragende Kontakte zu zentralen Akteuren der chinesischen Raumfahrtszene. Diese gilt es nun zu nutzen, um den riesigen Markt auch für die Bremischen Unternehmen und Forschungsinstitute zu öffnen.

                                                                                                                                                                                                                   – Martin Günthner, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen

Die deutsche Delegation besuchte während des Aufenthaltes in China auch die Shanghai Academy for Spaceflight Technology
Die deutsche Delegation besuchte während des Aufenthaltes in China auch die Shanghai Academy for Spaceflight Technology © Matthias Hempen

Bewährte Zusammenarbeit

Seit dem Erstflug des Shenzou-Raumschiffes 1999 haben die Chinesen neun weitere Generationen des “Götterschiffes” (so shénzhōu übersetzt) ins All geschickt. Mit der Shenzou-8 startete 2011 auch ein Stück deutscher Ingenieursarbeit vom Raumfahrtbahnhof Jiuquan in den Weltraum. Die Experimentapparatur SIMBOX wurde von Astrium gebaut und enthielt 17 biologische Substanzen, an denen die Auswirkungen von Schwerelosigkeit und Strahlung untersucht wurden. Der Grundstein für dieses gemeinsame Projekt wurde bereits 2006 vom bremischen Senat gelegt. 2016 kann nun der Grundstein für etwas noch viel Größeres gelegt werden.

Für China als zukünftige Raumfahrtnation sprechen außerdem scheinbar unerschöpfliche Ressourcen. Derzeit investiert China jährlich zwei bis drei Milliarden US-Dollar in sein nationales Raumfahrtprogramm. Im Vergleich zum NASA-Budget von 19 Milliarden pro Jahr eine geringe Summe, doch die Investitionen werden sich in den nächsten Jahren vervielfachen. Mit 150.000 Angestellten verfügt allein das zentrale chinesische Staatsunternehmen für Raumfahrt CASC (China Aerospace Science and Technology Corporation) über 100.000 Mitarbeiter mehr, als in der gesamten europäischen Raumfahrt angestellt sind. Dazu kommt die uneingeschränkte politische Unterstützung und eine junge, hochmotivierte Mitarbeiterschaft. Die chinesische Raumfahrt expandiert und Bremer Raumfahrtunternehmen können auf diesem wachsenden Markt profitieren.

Dass die Chinesen Bremen als Raumfahrtstandort im Blick haben, war schon vor der Ankunft der Delegation in Peking abzusehen. “Das Interesse der chinesischen Akteure an den geplanten Workshops ist so groß, dass interessierten Teilnehmern bereits abgesagt werden musste. Dies ist ein eindeutiges Indiz für die internationale Wahrnehmung der hohen Kompetenz des Raumfahrtstandortes Bremen”, so Abteilungsleiter für Innovation Hans-Georg Tschupke im Vorfeld der Reise.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Bereits kurz nach der fünftägigen Delegationsreise ist klar, dass die bremisch-chinesische Zusammenarbeit in naher Zukunft konkrete Züge annehmen kann. Die Vertreter der Bremer Raumfahrtforschung und -wirtschaft konnten einen überraschend realen Einblick in die Produktion von Satelliten und Trägerraketen werfen. Überraschend deswegen, weil die chinesische Raumfahrt sich nach einer langen Periode der Abschottung erst jetzt internationalen Partnern wirklich öffne, meint Wirtschaftsenator Günthner.

Vor diesem Hintergrund waren wir mit dieser Delegation genau zur richtigen Zeit hier.

                                                                                                                                                                                                                                                                             – Martin Günthner

Günthners Optimismus dürften auch Die Vertreter der Bremer Raumfahrtunternehmen teilen: HE Space und Airbus Defense and Space konnten bereits bestehende Kontakte intensivieren und neue potentielle Kunden akquirieren. Dr. Fritz Merkle, Chief Marketing Officer der OHB SE unterzeichnete im Rahmen eines Empfangs im Generalkonsulat sogar ein Memorandum of Understanding. Dies soll der OHB vor allem im kommerziellen Telekommunikationsbereich den Weg zur künftigen Zusammenarbeit ebnen.

Kooperationsgespräche zwischen deutschen und chinesischen Experten in Shanghai
Kooperationsgespräche zwischen deutschen und chinesischen Experten in Shanghai © WFB/Matthias Hempen

Auch auf chinesischer Seite besteht großes Interesse an der Zusammenarbeit. Einige Unternehmen sind geneigt am Standort Bremen Dependencen zu gründen, um der Kooperation neue Wege zu eröffnen. Damit würde der Raumfahrtbereich den Kreis chinesischer Unternehmen aus diversen Branchen erweitern, die sich in den letzten Jahren in Bremen angesiedelt haben. (evtl. interner Link zu intern. Ansiedlungen?)

IAC in Bremen

Bremen als wichtiger Raumfahrtstandort ist nicht nur für China interessant, sondern wird auch weltweit anerkannt. Kürzlich wurde entschieden, dass die Hansestadt 2018 zum zweiten Mal Austragungsort des Internationalen Weltraumkongresses IAC (International Astronautical Congress) sein wird. Dazu werden sich 3.000 bis 4.000 Raumfahrt-Experten für eine fünftägige Messe mit zahlreichen Fachvorträgen und circa 100 ausstellenden Unternehmen in der Hansestadt versammeln. „Ich bin überzeugt, dass die Ausrichtung des IAC einen wichtigen Beitrag leisten kann, den Raumfahrtstandort Bremen noch stärker in den Fokus zu rücken.“, so Claus Lämmerzahl, geschäftsführender Direktor des Zentrums für angewandte Raumfahrtforschung und Mikrogravitation (ZARM) und Vorsitzender des lokalen Organisationskomitees.


Weitere Informationen zur Luft- und Raumfahrtkooperation mit China gibt es bei Hans-Georg Tschupke, Tel.: 0421 9600-320, Hans-Georg.Tschupke@wfb-bremen.de

Mehr zu Themen der Luft-und Raumfahrt in Bremen gibt es außerdem auf unserer Übersichtsseite.

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