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19.5.2016 - Anette Tautz

Die LogistikLotsen starten und bieten Kooperation und Innovation zwischen Wissenschaft und Praxis

Maritime Wirtschaft und Logistik
Mit kreativer Methodik zu neuen Lösungen

Dr. Sven Hermann, Gründer der LogistikLotsen
Dr. Sven Hermann, Gründer der LogistikLotsen © Dr. Sven Hermann

Lotsen sind in der Seefahrt eine zentrale Einrichtung, denn sie geben ihr Wissen und ihre Erfahrung mit den Gewässern, auf denen sie arbeiten, an andere Schiffe weiter. Mit ihrer Hilfe finden Kapitäne ihren Weg vorbei an Hindernissen und Untiefen. Mit den LogistikLotsen plant Dr. Sven Hermann eine Vernetzung von Unternehmen und Wissenschaft, die neue Wege weisen will.


LogistikLotsen als Anlaufstelle für Unternehmen der Logistik-Branche


Speziell kleine und mittelständische Unternehmen stehen vor der Herausforderung, sich neu positionieren zu müssen, um mit den Veränderungen, die Globalisierung und Digitalisierung mit sich bringen, Schritt halten zu können. Zwar ist die Logistik-Branche gut vernetzt. „Mit der Wissenschaft gibt es allerdings noch mehr Kooperationschancen“, sagt Sven Hermann. „Dabei ist das Potential groß.“ Hermann will mit seinen LogistikLotsen eine Plattform für Unternehmen und Hochschulen in der Logistik bieten. Geplant sind Veranstaltungen mit unterschiedlichen Formaten. Die 2015 und 2016 durchgeführten VIA BREMEN-Fachforen Projektlogistik waren dabei ein Auslöser. „Unternehmen fragen sich, wie sie sich dem Wettbewerb stellen können. Die Kooperation auch mit wissenschaftlichen Einrichtungen liegt da nahe“, erklärt Hermann.

Unterstützung erhält er dabei von Michael Moehlmann, Vertriebsleiter des JadeWeserPorts: „Wir haben ein großes Interesse, gerade den regionalen Hochschulen und Studierenden Einblicke in unsere unternehmerische Praxis zu geben und Wege zu finden, den Transfer zukunftsweisender Ideen in das Unternehmen sicherzustellen. Den Ansatz der LogistikLotsen als eine Art Leuchtturm Wissenschaft und Wirtschaft in innovativen Veranstaltungsformaten zusammenzubringen halte ich für sehr interessant.“

Leidenschaftlich erläutert Dr. Sven Hermann sein Projekt „LogistikLotsen“
Leidenschaftlich erläutert Dr. Sven Hermann sein Projekt „LogistikLotsen“ © WFB/Jörg Kautzner

Kreative Workshops für innovative Lösungen


In Workshops finden Unternehmen und Studierende zusammen: Die teilnehmenden Unternehmen bringen Problemstellungen mit, die in Teams von Studierenden unter Anleitung von Coaches gelöst werden. „In anderen Branchen gibt es sehr kreative Formate, die den Teilnehmern Spaß machen und überraschende Lösungen bringen. So etwas schwebte mir auch für die Logistikbranche vor“, so Hermann.

An möglichen Themen mangelt es nicht: „Drohnenüberwachung von Ladung auf ihren Transportwegen“, „Wie baue ich mein Vertriebsnetz im Hinblick auf neue Zielgruppen?“ und auch Fragen zu Chancen der Digitalisierung: Interne Wissensnutzung, Wissenslogistik und digitale Effizienz.


Von der Vernetzung profitieren beide Seiten


Von der Vernetzung von Unternehmen und Wissenschaft profitieren beide Seiten. Sven Hermann ist in beiden Welten zu Hause: Als Prokurist bei der PTS Logistics Group kennt er den Alltag von Logistik-Dienstleistern genau. Andererseits erlebt er durch seine Arbeit in der Wissenschaft, wie die Einbeziehung kreativer Methoden zu neuen Lösungen führen kann.

Geplant sind beispielsweise Veranstaltungen, die an den Hochschulen des Nordwestens als Block-Seminare durchgeführt werden. Aktiv teilnehmende Studierende könnten dabei Credit Points für ihr Studium erwerben.

Prof. Dr. Jörg Freiling, am Lehrstuhl für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship (LEMEX) an der Universität Bremen, unterstützt das Projekt ganz konkret: „Das Konzept der LogistikLotsen ist vielversprechend: Es hat einen Fokus auf eine der zentralen Branchen am Standort Bremen und führt Betriebe, Fachexperten, Hochschulen und Nachwuchs zusammen. Dabei verfolgt es einen interdisziplinären Ansatz, der Probleme von Beginn an multiperspektivisch anzugehen erlaubt. Deswegen bauen wir das Konzept in unser Curriculum der Gründungsausbildung ein.“


Von Design Thinking profitieren


Methodisch sollen beispielsweise Konzepte aus dem Design Thinking aufgenommen werden. Zum Konzept gehört neben einer eigenen Methode, die den Arbeitsprozessen von Designern entlehnt ist, ein Schwerpunkt auf das Team, das die Fragestellung bearbeitet und den kreativ-inspirierenden Ort, der einen anregenden Gedankenaustausch ermöglicht. Die Design Thinking Werkstatt „D-Forge“ der Jacobs University, Bremen, ist ein solcher Ort.


Förderung der Talent- und Fachkräfteentwicklung

Unternehmen profitieren von einer solchen offenen Herangehensweise doppelt: Sie können untersuchen, wie ein junges, interdisziplinäres Team die gestellten Probleme löst. Außerdem können sich Studierende und Unternehmensvertreter während der Workshops kennen lernen.
„Das geht viel besser als auf einer Job-Messe, bei der nur wenig Zeit für Gespräche bleibt“, so Hermann. „Auf diese Weise finden Studierende und potentielle Arbeitgeber zusammen. Auch dafür ist ein solcher Workshop gut.”

Dr. Iven Krämer, Referatsleiter Hafenwirtschaft und Schifffahrt stimmt zu: „Die LogistikLotsen bieten eine Möglichkeit für mehr Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis im Bereichen der maritimen Wirtschaft und Logistik in Bremen und in der gesamten Metropolregion Nordwest. Innovative Veranstaltungsformate, ein positiver Einfluss auf die Standortattraktivität, eine engere Verzahnung in der Region, Branchen-Marketing und vor allem Talent- und Fachkräfteentwicklung in diesem für uns so wichtigen Wirtschaftszweig – darum unterstützt das Referat Hafenwirtschaft und Schifffahrt vom Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen die Entwicklung der LogistikLotsen von Beginn an.“

Christoph Bruns, Geschäftsführender Gesellschafter von Mund + Bruns, Schiffs- und Ladungssachverständige GmbH fügt aus Sicht seines Unternehmens der Logistikbranche hinzu: „Gerade für uns als Sachverständigenbüro und mittelständisches international agierendes Unternehmen sind neue Wege und Formen der Personalsuche und Talententwicklung von hoher Bedeutung.“

Dr. Sven Hermann im Gespräch
Dr. Sven Hermann im Gespräch © WFB/Jörg Kautzner

Zahlreiche regionale Kooperationspartner


Die Unterstützung von Wirtschaft und Wissenschaft ist dem Projekt sicher: Über 30 Partner unterstützen die LogistikLotsen bereits, darunter Forschungseinrichtungen der Nordwest Region wie die Universität Bremen, die Jacobs University und weitere Hochschulen der Region.

Daneben greifen zahlreiche Unternehmen der Logistikbranche die Idee auf: "Die Logistik hat eine Schlüsselbedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Bremens und der Metropolregion Nordwest. In keiner anderen Region Deutschlands ist der Anteil der Beschäftigten in der Logistikbranche so hoch wie im Nordwesten“, betont Olaf Orb, stellvertretender Leiter für Standortpolitik, Häfen, Verkehr der Handelskammer Bremen. „Mehr als 85.000 Erwerbstätige arbeiten in der Logistikwirtschaft und den Zulieferbereichen. Dies betrifft so vielfältige Bereiche wie die Umschlags-, Transport- und Lagertechnik, Organisation, Logistikkonzepte für Produktion und Handel oder wertschöpfungsintensive Aktivitäten zur Warenbehandlung und Veredelung. Die Handelskammer Bremen - IHK für Bremen und Bremerhaven – sowie auch der Förderverein Wirtschaft pro Metropolregion e.V. unterstützen die LogistikLotsen ausdrücklich.“

Die Logistiklotsen kooperieren auch mit dem Projekt "DIGILAB Brennerei 4.0" der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, einem neuen Projekt zur Entwicklung von Geschäftsmodellen im Zeitalter der Digitalisierung.

Für Sven Hermann sind auch weitere Projekte denkbar: „Packaging ist ein großes Thema in der Logistik. Da ist natürlich die Idee naheliegend, Produkt-Designer und Logistiker zusammen zu bringen, um neue Lösungen für die Branche zu entwickeln.“

Auch ein Mentorennetzwerk könnte sich entwickeln, um Gründern und Startup-Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Ideen zu helfen. Eine enge Kooperation mit regionalen Startup-Wettbewerben wie dem JSC der Jacobs University Bremen ist geplant.

Dr. Anna Meincke, Geschäftsführung, Geschäftsstelle Metropolregion Nordwest findet: „Die LogistikLotsen sind ein Projekt, das in der Metropolregion Nordwest einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten kann. Wir begrüßen es, wenn Universitäten und Unternehmen in innovativen Projekten im Bereich der Qualifizierung zusammenarbeiten und neue Netzwerke entstehen.“

Der Fokus auf Vernetzung liegt in der Logistik nahe und entspricht ganz dem Lotsenprinzip: Sein Terrain kennen und sich dort, wo es unbekannter wird, leiten lassen.



KONTAKT:

Dr. Sven Hermann, info@logistiklotsen.de, T 0175 7213851




Weitere Informationen zum Thema Logistik gibt es bei Jörg Kautzner, Clustermanager Logistik und Automotive. T +49 (0) 421 9600-324, joerg.kautzner@wfb-bremen.de

Weitere Informationen zur Maritimen Wirtschaft / Logistik in Bremen und zu den Services der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH finden Sie hier.

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